Ein Regentag in Japan – Gute-Laune-Programm für schlechtes Wetter

Der Ösi in Kawasaki

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien. In Japan gibt es immer einen Grund zu strahlen! Ob Schmusen im Katzencafé, bizarre Rollenspiele oder ein Trip in die 80er: heute erzähle ich euch von Aktivitäten, die sich perfekt für Sauwetter eignen. Erfahrt außerdem vom kürzlichen Erdbeben-Alarm und Brisantes aus dem Rotlichtmilieu.

Dies ist die 25. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

 

Seit mittlerweile über anderthalb Jahren lebe ich mit meinem Mann in Japan. Auch zuvor waren wir schon kleine Japan-Fans und als sich dann die Möglichkeit aufgetan hat, dass er beruflich für einige Jahre hierher entsandt werden kann, haben wir die Chance ergriffen. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt. Wir genießen unser Leben hier trotz der aktuellen Umstände sehr. Wir versuchen möglichst viel zu erleben und zu erkunden.

 

State of Emergency in Tokio

Aber selbstverständlich gibt es vereinzelt immer wieder einmal Regentage: die sprichwörtlichen, als auch die ganz wortwörtlichen. Heute trifft tatsächlich beides zu. Heute ist auch tatsächlich ein denkbar ungünstiger Tag, um einen Gute-Laune-Podcast aufzunehmen. Ich bin die letzten Tage leider ein bisschen schlecht gelaunt. Der State of Emergency wurde im Großraum Tokio verlängert, von nicht notwendigen Reisen wird weiter abgeraten. Wir haben für die nächsten Monate zwei Österreich-Reisen auf dem Schirm. Dann wären wir fast zwei Jahre nicht in der Heimat – bei unseren Freunden und Verwandten – gewesen.

 

Corona-Frust statt Heimweh

Ich habe, in diesem Sinne, kein Heimweh. Wenn ich mir überlege, wie die Stimmung aktuell in Österreich zu sein scheint, habe ich nicht unbedingt den Drang, in einen Flieger zu steigen, nur um endlich wieder österreichische Luft zu schnuppern. Ein solcher Trip ist aktuell ja auch mit unzähligen Tests und mehreren Wochen Quarantäne verbunden. Abgesehen davon, dass ich beziehungsweise wir natürlich unsere Lieben vermissen, ist es halt vor allem ein Gefühl der Verzweiflung – dass die Pandemie irgendwie kein Ende zu nehmen scheint. Es ist eine Enttäuschung, dass wir uns während dieser begrenzten Zeit, die wir in Japan leben, nicht wirklich frei bewegen und schon gar nichts außerhalb des Landes planen können. Da gibt es also momentan durchaus Frust, der durch die kalte Jahreszeit nur verstärkt wird. Ich bin damit aber wohl nicht allein. Ich will euch damit auch nur sagen, dass mein Podcast durchaus als Ablenkung und Unterhaltung gedacht ist, es aber trotzdem nicht so wirken soll, als würde ich mit Schallklappen und immer gut gelaunt durch die Welt laufen. Ich bin tief im Inneren ein recht optimistischer Mensch und sowohl im Podcast als auch mit meiner Musik ist es mir ein Anliegen, vorwiegend positive Gefühle zu vermitteln.

 

Regenwetter ist ja so romantisch! (not)

Soviel jedenfalls zu den sprichwörtlichen Regentagen. Im weiteren Verlauf wird es um die wortwörtlichen Regentage gehen. Denn egal, ob ihr hier lebt oder Japan als Touristen besucht, Schlechtwetter sollte euch nicht davon abhalten eine gute Zeit zu haben. Um Optimismus geht es auch in meinem brandneuen Song “Volle Kraft voraus”, den ich ganz am Ende anspielen werde.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin nicht nur kein Winter-Mensch, sondern auch absolut kein Regen-Mensch. Es gibt ja so Leute, die Regen ganz toll finden – und da rede ich jetzt nicht von Landwirten. Aber halt Leute, die Regenwetter ganz romantisch finden. Ich finde Regen, ehrlich gesagt, verdammt mühsam. Regenschirm, Nässe, Dunkelheit, pfui.

 

Erdbebenalarm in Japan

Gerade Japan macht ja, was Naturerscheinungen betrifft, bekanntlich keine halben Sachen. Übrigens: vor ein paar Wochen hatten wir ein schweres bzw. unser schwerstes Erdbeben bisher in Japan. Das Epizentrum lag vor der Küste der Präfektur Fukushima, wo es mit der Stufe 6 den zweithöchsten Wert der japanischen Shindo-Sakala erreicht hat. Bei uns in der Gegend, also um Tokio, war es “nur mehr” Stufe 4. Und trotzdem war es sehr beängstigend. Es war nachts und ich war gerade am Zähneputzen, mein Mann auf dem Klo. Mein Handy war schon im Ruhemodus, also habe ich die Erdbebenwarnung meiner App nicht gesehen (diese hätte sehr akurat die Sekunden bis zum Beben heruntergezählt). Offiziellen Alarm über das Handynetz oder das Lautsprechersystem auf den Straßen gibt es theoretisch auch – zumindest bei uns gab es seltsamerweise dieses Mal aber keinen.

Wie schon einmal erwähnt, gibt es japanweit etwa 4 bis 6 Erdbeben pro Tag. Die meisten sind aber so schwach, dass man sie an den wenigsten Orten überhaupt spürt. Wir wohnen im 44. Stock und bisherige Erdbeben haben wir als leichtes, vielleicht 10-sekündiges Schwanken und Knarzen in den Wänden wahrgenommen. Das ist schon jedes Mal gruselig, aber alles in Grenzen. Wie alle neuen Gebäude musste auch unseres viele bautechnische Erdbeben-Auflagen erfüllen.

Als dann jedenfalls dieses Mal unser Wohnhaus zu schwanken begonnen hat, haben wir recht schnell gemerkt, dass es sich um ein stärkeres Beben handelt. Wir haben uns intuitiv auf den Boden gesetzt – um uns herum war nichts, was uns hätte auf den Kopf fallen können. Die Empfehlung ist: weg von den Fenstern, idealerweise unter einen Tisch, und nicht ins Freie laufen (was in unserem Fall vom 44. Stock natürlich sowieso nicht möglich gewesen wäre).

Die Zimmertüren haben sich wie von Geisterhand bewegt und ich kam mir vor wie auf einem großen Schiff bei Seegang. Unser Wohnhaus hat in alle Richtungen geschwankt, und man verliert schon ein bisschen die Orientierung. Ich habe mich wirklich erschrocken und fand das Ganze beängstigend, ehrlich gesagt. Es war das bisher mit Abstand längste und stärkste Beben, das wir in Japan wahrgenommen haben. Auch mein Japanisch-Lehrer, zum Beispiel, kann sich kaum an so lange Beben erinnern. Ich glaube, unser Haus hat sich dann noch ein paar Minuten lang weiterbewegt – aber in dieser Situation fühlen sich Sekunden halt wirklich wie eine Ewigkeit an. Gespenstisch und gruselig, wenn sich der Boden unter deinen Füßen, der sich ja eigentlich nicht bewegen sollte, plötzlich ganz schlaksig schwankt.

In der Handy-App PREP habe ich währenddessen nachverfolgt, wo das Epizentrum lag – und gesehen, wie stark vor allem die Region Fukushima betroffen war. Da kommen natürlich gleich Erinnerungen an das große Beben samt dem verheerenden Tsunami von 2011 hoch. Damals haben wir die Geschehnisse aus weiter und sicherer Ferne verfolgt – und diesmal waren wir halt mittendrin (also geografisch gesehen natürlich trotzdem nur am Rande). Aber da war mir schon sehr mulmig zumute. Zum Glück wurde im Fernsehen dann aber recht schnell bekannt gegeben, dass kein Tsunami-Alarm bestünde. Etwa 180 Menschen wurden verletzt, es gab auch zahlreiche Schäden. Und: auch die Gefahr schwerer Nachbeben war vor allem in den darauffolgenden Tagen und Wochen gegeben. Tatsächlich gab es allein in der darauffolgenden Woche wohl um die 19 mittelstarke Nachbeben, aber soweit ist alles in Ordnung zum Glück.

Update: Kurz nach Veröffentlichung des Podcasts gab es am 20. März in derselben Region wieder ein Erdbeben in der Stärke 5+, dieses Mal gefolgt von ein paar einen Meter hoher Tsunamis.

 

Ungemütliches Wetter ist in Japan ganz normal

Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen: wettertechnisch kann es in Japan insbesondere zur Regenzeit sehr ungemütlich werden. Sie beginnt Ende Mai und geht dann Anfang Juli nahtlos in den grauenhaft schwül-heißen Sommer über. Im Spätsommer erreicht dann auch die Taifunzeit ihren Höhepunkt. Gleich in unserem ersten Sommer, im Jahr 2019, haben uns zwei Monster-Taifune heimgesucht. Jackpot! In der Zeit dazwischen – also Herbst bis Frühling – ist um Tokio sonniges Traumwetter eigentlich mehr die Regel als Ausnahme. Kein Vergleich zur grauen, matschigen Winter-Tristesse in Wien! Wer also die beliebteste und teuerste Reisezeit – den Frühling und insbesondere die gerade gestartete Kirschblütenzeit – meiden will, kann getrost auf den milden Herbst und sonnigen Winter ausweichen.

Mein Mann und ich müssen selbstverständlich nicht ausgerechnet beim schlimmsten Sauwetter nach draußen. Da gammeln wir auch durchaus einmal vor Serien, der PlayStation oder dem Podcast-Mikrofon. Vielleicht nutzen wir die Zeit zum Japanisch-Lernen, kochen, den Haushalt, und so weiter – ihr wisst schon, der ganz gewöhnliche Wochenend-Alltag.

Vor allem als Tourist kann man sich das Wetter aber natürlich nicht aussuchen und möchte halt trotzdem das Beste aus der verfügbaren Zeit machen. Lasst euch eure Stimmung nicht vermiesen!

Es sei denn, ihr habt auch den Jackpot erwischt und es kommt gerade während eures Aufenthalts ein Taifun auf euch zu. In einem solchen Fall bringt euch bitte in Sicherheit und achtet auf offizielle Anweisungen. Damit ist nämlich wirklich nicht zu spaßen. Sollte es aber nicht gerade ein Taifun sein, bekommt ihr jetzt meine Japan-spezifischen Tipps für gute Laune bei schlechtem Wetter.

 

Museen in Japan – Von Geschichte und digitaler Kunst bis hin zu Ramen

Da seid ihr endlich in den lang ersehnten Japan-Urlaub gestartet und dann das: ihr wacht in der Früh auf und in der Wetter-App lachen euch weinende, graue Wolken entgegen. Ich kenne das Gefühl zur zu gut – zumindest bei mir drückt das sofort die Stimmung. Aber verzaget nicht!

Regenwetter ist immerhin die beste Ausrede, um gemütlich und ohne Sightseeing-Stress in den Tag zu starten. Vielleicht könnt ihr euch ein ausgedehntes Hotelfrühstück gönnen, euch im Onsen- oder Spa-Bereich erfrischen, und gelassen den Tag planen.

Regenwetter ist immer auch Museumswetter – aber natürlich sind Museen nicht jedermanns Sache. Angesichts der Vielfalt in und um Tokio sollte aber wirklich für jede und jeden etwas dabei sein. Prüft aber lieber, ob es denn Corona-bedingte Zutrittsbeschränkungen gibt und ob Vorab-Reservierungen benötigt werden.

Für Geschichtsinteressierte gibt es das Edo-Tokyo Museum im Osten der Stadt. Das obere Stockwerk war mir persönlich zu textlastig, also zu viele historische Dokumente, die auch etwas Vorwissen vorausgesetzt haben. Das Untergeschoss befasste sich mit Kulturgeschichte und dem damaligen Alltag der Menschen, das fand ich weitaus spannender.

Ganz anderes bieten die TeamLab Museen. Die Besucher tauchen dort ein in die Welt der digitalen Kunst. Die eindrucksvollen Lichtinstallationen faszinieren Jung und Alt, und sind ein absoluter Foto-Hotspot. Man kann darin viele Stunden verbringen und sich auch verlaufen. Wir waren trotz der langen Wartezeit am Eingang begeistert!

Fans des japanischen Zeichentrickfilmstudios Ghibli pilgern auch gerne ins Tokioter Ghibli Museum, welches in Anlehnung an den österreichischen Künstler Hundertwasser gestaltet wurde.

Wem auch das noch nicht unterhaltsam genug ist und wer sich lieber den kulinarischen Genüssen hingeben will, dem empfehle ich das Ramen Museum in Shin-Yokohama südlich von Tokio. Man steigt hinab in eine fantastische Kulisse Tokios der späten 1950er Jahre und findet dort neun kleine Ramen-Läden. Die Idee ist es, an einem Ort einen Überblick über verschiedenste Ramen-Varianten aus ganz Japan – und mittlerweile sogar aus der ganzen Welt – zu bekommen. Jeder Laden bietet auch Mini-Portionen an, um sich durch möglichst viele durchprobieren zu können. Mein Mann und ich waren sehr begeistert und auch überrascht, welche Unterschiede es hier gibt. Ein Besuch im Ramen-Museum eignet sich gut zum Mittagessen. Das Eintrittsticket ins Museum gilt übrigens einen ganzen Tag. Theoretisch könntet ihr also zum Abendessen gleich noch einmal hin.

 

Shopping bis zum Umfallen

Schlechtwetter eignet sich auch perfekt zum Shoppen. Und dabei muss Shoppen nicht gleich Shoppen sein! Jeder größere Bahnhof hier ist gleichzeitig ein Shopping Center, das oft an noch weitere Shopping Center grenzt. Neben den ganzen internationalen Modeketten finden sich hier auch japanische Marken. Für mich ist Kleidung kaufen in Japan leider ein extrem mühsames und frustrierendes Erlebnis. Die meisten Marken schneiden in anderen Proportionen. Also nicht nur, dass ich sowieso alles eine Nummer größer brauche – nein, auch die Proportionen sind meist anders. Oberteile sind mir an Ärmeln und Bauch oft zu kurz, und die legere japanische Freizeitmode hat sowieso einen ganz eigenen Stil – oft oversized und baggy. Das steht mir nicht.

Jedenfalls findet ihr in den Untergeschossen dieser überdimensionalen Kaufhäuser meist eine riesige Auswahl an Essen, die ich ja viel interessanter finde. Von edlen Geschenken bis wirklich leistbare Köstlichkeiten und Mitbringsel werdet ihr hier alles finden. Mit etwas Glück gibt’s sogar Verkostungen! Manche dieser großen Kaufhäuser haben auch eine Art Aussichtsterrasse, wie etwa das Shibuya Scramble, wo ihr einen atemberaubenden Blick auf die berühmte, umtriebige Kreuzung bekommt.

 

Donki und Daiso – Willkommen im Ramsch-Wunderland!

Manchmal ist in Japan mehr tatsächlich mehr. So auch in den Don Quijote Filialen, kurz: Donki. Der Donki – oder noch gigantischer: der Mega Donki – ist ein Ramschladen der Superlative. “Ramsch” meine ich dabei nicht unbedingt abschätzig. Donki bezeichnet sich selbst als Discounter und es gibt nichts, was es dort nicht gibt. Und dabei gar nicht einmal zu Discounter-Preisen – ich finde, die Preise dort sind eigentlich sehr gewöhnlich. Egal, ob Süßigkeiten im Erdgeschoß oder den original Gucci-Gürtel um mehrere hundert Euro im Obergeschoß. Ein Besuch im Donki ist ein Abenteuer. Egal, ob man etwas gebraucht hat oder nicht – man findet immer etwas. Vor allem auch: Souvenirs.

Ich stöbere sehr gerne in den Süßigkeiten- und Snack-Regalen. Man findet dort immer spannende Raritäten und skurrile Sorten auch bekannter Marken. Zum Beispiel Kitkats mit Süßkartoffel-Geschmack oder Chips mit saurem Pflaumengeschmack. Viel Spaß beim Stöbern!

Vielleicht weniger aufregend – aber dafür umso billiger – ist ein Besuch bei Daiso, dem 100-Yen-Store. Dekoartikel, Küchenutensilien, Schreibwaren, Süßigkeiten – hier bekommt ihr fast alles um unter einen Euro. Bei Daiso findet ihr bestimmt auch das ein oder andere Mitbringsel.

Mein letzter Shopping-Tipp ist das Schlendern durch eine Shōtengai. Das sind Einkaufsstraßen ohne Autoverkehr, meist sogar überdacht – also auch perfekt bei Regen. Ihr findet dort eine bunte Mischung an Geschäften, von der Drogerie über Marktstände mit frischem Fisch bis zum Ramen-Laden.

 

Anstellen zum Mittagessen?!

Spätestens jetzt ist es wohl Zeit fürs Mittagessen! Vor allem, wenn ihr wochentags unterwegs seid, nutzt unbedingt die vielen günstigen Mittagsangebote von Restaurants, die zu anderen Zeiten viel teurer wären.

Ein Besuch im Ramen-Laden ist ja immer günstig und schnell. Aber gerade bei Schlechtwetter ist ein gemütliches Restaurant sicher ein angenehmerer Zeitvertreib. Gerade mittags passiert es aber oft, dass man sich anstellen muss. Die österreichische Mentalität in mir schreit: “Anstellen? Sicher ned!” In Japan stellt man sich aber wirklich gerne für Dinge an – und die Warteschlangen sind meist auch tatsächlich ein gutes Zeichen.

Eine solide Fischrestaurant-Kette, die ich sehr mag und die über ganz Japan verteilt ist, ist übrigens Isomaru Suisan. Ihr bekommt dort mittags riesige Sets mit Sashimi oder gegrilltem Fisch um knappe 9 Euro.

 

Themencafés – So kurios, wie man Japan im Ausland kennt

Gut gestärkt starten wir in den Nachmittag. Die Wolken sind noch grauer geworden und der Regen hat zugelegt. Wie wäre es jetzt zum Beispiel mit einem Besuch in einem der zahlreichen Themen-Cafés?

Ein besonderer Trend in Japan sind die Maid Cafés. Maid Cafés sind eine Unterkategorie der Cosplay-Restaurants. Die Kellnerinnen tragen Dienstmädchen-Kostüme und nennen die Gäste ganz unterwürfig “Master”. Bis vor kurzem habe ich noch geglaubt, niemals ein solches Maid Café von innen zu sehen. Und siehe da: mein Mann und ich sind eines Samstags durch den Tokioter Stadtteil Akihabara spaziert. Akihabara ist das Zentrum für Elektronik, Videospiele – und eben Anime und Manga. An jeder Straßenecke steht eine junge Japanerin im Rüschenkleid und ruft einem in zuckersüßer, piepsiger Stimme “Konnichiwa” nach, um einen ins Maid Café zu locken. Das klingt jetzt absolut nach einem Ausflug ins Rotlichtviertel, oder? Ich kann mich da noch wage erinnern, wie ich einmal in den frühen Morgenstunden aus einem Wiener Club spaziert bin und mir eine Dame keck “Hallo Schatzi, wie geht’s?” nachgerufen hat. Vor lauter Schreck hab ich mein Handy fallen gelassen! Naja.

Klassische Maid Cafés haben mit Rotlicht jedenfalls nichts zu tun. Es ist ein Rollenspiel, eben Cosplay. Ganz “kawaii”, also super-niedlich aber auch total kurios. Die Kellnerin wollte etwa, dass wir sie mit “miau miau” zum Tisch rufen. Als unsere Cappuccinos und Parfaits – verziert mit Hundegesichtern – serviert wurden, mussten wir in die Hände klatschen und einen Spruch aufsagen. Wir hatten während unseres Besuchs viele große, bunte Fragezeichen im Gesicht. Allein schon deshalb kann man durchaus einmal in ein Maid Café gehen.

Sehr unterhaltsam war vor allem die Showeinlage auf der Bühne, wo die Mädels ganz energisch getanzt haben. Die Musik war diese extrem harte und gleichzeitig niedliche “kawaii music” – eine Unterkategorie des J-Pop, die sehr an Computerspielmusik erinnert. Ich kann sie schwer beschreiben – deshalb könnt ihr in der Podcast-Folge eine kleine Aufnahme aus dem Maid Café hören. Ich war davon tatsächlich so inspiriert, dass ich gleich danach zuhause begonnen habe, an einem deutschsprachigen J-Pop Song zu arbeiten. Ein anderes Mal mehr dazu.

Ein eigentlich sehr populäres Themencafé, das Kawaii Monster Café, wo es ebenfalls Showeinlagen gab, hat leider vor kurzem geschlossen. Ein anderes ist zum Beispiel das Pokemon Café, wo die Gerichte mit Pokemon verziert werden.

 

Tiercafés – Zwischen Entzückung und Ernüchterung

Falls ihr echte Tiere bevorzugt, dann sind vielleicht die unzähligen Tiercafés etwas für euch. Am verbreitetsten sind Katzencafés. Dort zahlt man typischerweise nicht pro Getränk sondern nach Dauer. Ihr werdet in einen Raum gelassen, wo vielleicht 10 oder 20 Katzen auf euch warten. Wobei, lasst es mich anders formulieren: es ist nicht so, als ob diese Katzen auf euch gewartet hätten. Sie sind vom Personal zwar sehr umhegt und gepflegt, und in manchen Filialen sehen die Katzen aus wie aus dem Katalog, aber sie sind wohl so sehr an die vielen Besucher gewohnt, dass viele etwas teilnahmslos oder desinteressiert wirken. Als Katzenfreunde waren mein Mann und ich vor wenigen Wochen wieder einmal in einem Katzencafé – es ist also tatsächlich nichts total Ungewöhnliches.

Abseits von Katzen- gibt es auch noch andere Tiercafés: Hunde-, Igel-, Eulen- und Schweinchencafés. Seit dem ersten Katzencafé im Jahr 2004 gab es einen regelrechten Boom. Viele dieser Cafés – und diese ernüchternde Wahrheit muss an dieser Stelle erwähnt werden – stehen aber in der Kritik, alles andere als zum Wohle der Tiere zu agieren. Auf engstem Raum zu leben, vielleicht noch dazu als wildes oder nachtaktives Tier, und von hunderten Besuchern angegafft und angefasst zu werden – ist dann doch alles andere als süß.

Wem Themen- und Tiercafés zu crazy sind, der kann zum Beispiel die Starbucks Reserve Roastery in Meguro besuchen. Es ist ein Starbucks der Superlative – auf vier Stockwerken findet ihr ungewöhnliche Kaffee- und Teesorten, eine Cocktailbar und Terrasse, auf welcher ich schon an der ein oder anderen Podcast-Folge gearbeitet habe.

 

Teeparadies Japan – Modern oder doch lieber traditionell?

Statt für Kaffee ist Japan ja vor allem für seinen Grüntee bekannt. Eigene Teezeremonien können euch die uralte Teetradition näherbringen. Eine extrem moderne, mehrgängige Teeverkostung gibt es im hippen Stadtteil Omotesando, in der edlen Tee-Bar “Sakurai”. Da wird die erste Tasse mit 30 Grad warmem Wasser zubereitet. Statt nach klassischem Grüntee schmeckt das Ganze überraschend salzig und umami, fast wie Gemüsesuppe. Mit jedem Aufguss wird das Wasser heißer. Ein schönes, interessantes und lehrreiches Geschmackserlebnis – aber glaubt mir, so viel werdet ihr noch nie für grünen Tee bezahlt haben.

Unvergleichbar lockerer ist die Atmosphäre im Teehaus “Kosoan”. Von außen ist es ein wunderschönes, altes japanisches Haus, und man fühlt sich als würde man das private Wohnzimmer von jemandem betreten. Serviert wird dort vorwiegend heißer oder kalter Matcha, auf Wunsch auch als weniger bitterer Matcha Latte. Dazu werden japanische Desserts wie Anmitsu serviert. Anmitsu sieht aus wie ein bunter Obstsalat bestehend aus roten Bohnen, Gelee-Würfeln aus Agar Agar, verschiedenen Früchten und Eis – das Ganze mit dunklem Zuckersirup übergossen. Die Süße des Desserts ist ein guter Ausgleich für die bittere Note des Matcha. Für Wiener Mehlspeisen-Verwöhnte ist Anmitsu ein etwas befremdliches Dessert, aber ich habe es vor allem an Sommertagen sehr gern.

Wir haben gegessen, geshoppt, und waren vielleicht im Museum. Viel Gute-Laune-Programm für schlechtes Wetter, oder? Allmählich lässt aber unsere Energie nach – der Trubel der Stadt hat uns trotz Matcha etwas müde gemacht.

 

Onsen mitten in der Stadt?!

Wenn das nicht der perfekte Zeitpunkt für ein bisschen Wellness ist! Vielleicht habt ihr ja ein öffentliches Bad im Hotel (ein Daiyokujou) – oder gar ein natürliches Onsen. Anders als in Bergdörfern, sind echte, urige Onsen im Stadtgebiet seltener anzutreffen. Ich war sehr überrascht und gleichermaßen begeistert vom “Shiraku Onsen” in Kawasaki, also quasi in unserer Nachbarschaft. Eigentlich befindet man sich mitten in einer städtischen Wohnsiedlung, aber sobald man das Badehaus betritt, könnte man sich genauso gut irgendwo in den Bergen von Nagano oder auf Hokkaido befinden. Empfohlen wurde mir auch das “Tokyo Somei Onsen Sakura” im Norden von Tokio, das steht allerdings noch auf meiner Bucket List.

Neben kleineren Onsen-Betrieben gibt es natürlich auch große Day Spas mit vielen verschiedenen Badebecken, Relax- und Massagemöglichkeiten. Darunter zum Beispiel das elegante Yukemuri No Sato in Kawasaki, oder das riesengroße Oedo Onsen Monogatari auf Odaiba, das eher einem Wellness-Vergnügungstempel gleicht.

Das soll jetzt keine endlose Liste an Bädern werden. Das Enoshima Island Spa muss ich an dieser Stelle aber schon auch erwähnen. Dort badet ihr mit einem traumhaften Blick auf das Meer, öffentlich erreichbar ab Tokio in knapp einer Stunde.

Zumindest ich bekomme vom heißen Bad im Onsen immer großen Durst, vorwiegend auf gesunde Lifestyle-Drinks wie Cola und Fanta. Anderen dürstet nach Milch – dafür gibt es in den meisten Badehäusern tatsächlich eigene Milch-Automaten. Den Badbesuch könntet ihr mit einem Abendessen vor Ort ausklingen lassen.

 

Game Halls in Japan – Wie ein Trip in die 80er

Nach dem Onsen bin ich immer tiefenentspannt und weichgekocht, und bereit fürs Bett. Vielleicht habt ihr aber auch meine Tipps aus dieser Folge einfach missachtet und ward gar nicht baden, und sucht jetzt nach einem unterhaltsamen Abendprogramm.

Wie wäre es mit einem Ausflug in die 80er? In den japanischen Städten finden sich auch im Jahr 2021 noch unzählige Arcades, also Spielhallen. Ich kenne solche noch aus meiner Kindheit aus dem Italien-Urlaub und sonst nur aus Serien wie Stranger Things. Die mehrstöckigen Spieltempel locken – oder verschrecken – einen mit ohrenbetäubendem J-Pop und Computerspiel-Geklimper. Im Erdgeschoß finden sich meist diese Kran-Automaten (also diese Glücksspiel-Dinger, wo man immer glaubt, man könne leicht ein Plüschtier gewinnen, nur um dann enttäuscht zuzuschauen, wie der Kran die fette Glitzerkatze wieder fallen lässt). Alles an meiner Beschreibung einer japanischen Game Hall klingt schrecklich – aber warum zieht es auch uns hin und wieder hinein?

Lärmende, leuchtende, quietschbunte Etablissements könnten klischeehafter japanisch nicht sein – das ist oft recht erfrischend. Vielleicht waren wir ja gerade mit Freunden Abendessen und wollen den Abend noch nicht beenden. In den Spielhallen trifft man abends weniger Jugendliche als junge Erwachsene an, die sich auf den Tanzmatten verausgaben, oder sich auf Rennstühlen sitzend beim Mario Kario mit Bananen und Schildkröten abmurksen. Wer Videospiele und ein gewisses 80s-Flair mag, wird sich hier wohl fühlen.

 

Beim Karaoke alles rauslassen

Genauso laut (aber selbst verschuldet) geht es beim Karaoke zu. Ich möchte fast sagen Karaoke ist der japanische Nationalsport schlechthin. Wo die Japanerinnen und Japaner tagsüber extrem schüchtern und ruhig wirken, werden beim Karaoke sämtliche Hemmungen fallen gelassen. Egal ob mit Freunden, den KollegInnen oder sogar Führungskräften – Karaoke ist einfach der gesellschaftlich anerkannte Raum, um bei einer nicht unwesentlichen Menge Alkohol die Sau rauszulassen (und am nächsten Morgen so zu tun, als wäre nichts gewesen).

Anders als in westlichen Karaoke-Bars, wo man ja vor den gesamten Gästen singt, erhält in Japan jede Gruppe ihren eigenen, kleinen Privatraum. Man zahlt nicht nur für die Verpflegung, sondern auch die Raummiete pro halber Stunde und pro Person. Falls ihr die ganze Nacht durchsingen und -trinken wollt, gibt es meist eine Flatrate. Karaoke-Läden finden sich jedenfalls gefühlt an jeder Ecke und ich kenne nichts Vergleichbares in Österreich oder irgendwo anders.

Vor allem in den großen Ketten sind die Karaokemaschinen übrigens topmodern und auch die Auswahl an englischsprachigen Songs riesig. Neben Nena’s “99 Luftballons” findet man hier sogar Conchita Wurst!

 

Volle Kraft voraus in den Frühling!

In diesem Sinne werde ich mich heute wieder einmal musikalisch von euch verabschieden. Falls ihr aktuell bereits am Planen einer zukünftigen Japanreise seid, hoffe ich, dass in dieser Folge ein paar Anregungen für euch dabei waren. Vielleicht ist ja ein bisschen Regenwetter sogar das Beste, was euch hier passieren kann (naja, wollen wir mal nicht übertreiben).

Wenn ich mich nicht gerade beim Karaoke stimmlich verausgabe, mache ich als Al Axy auch meine eigene Musik. Eingangs habe ich ja von meinem Optimismus gesprochen. Er ist weiterhin ungebrochen, auch wenn ich mich hin und wieder ein bisschen an der Nase nehmen muss. Ich hab heute genug von Regenwolken gesprochen, jetzt steht erst einmal die Kirschblüte in den Startlöchern. Volle Kraft voraus in den Frühling, also – passend dazu ist auch gerade meine neue Single “Volle Kraft voraus” erschienen. Das Musikvideo findet ihr auf YouTube, den Song auf Spotify und Apple Music. Hört doch gerne rein!

Bis zum nächsten Mal,

Mata ne, euer Ösi in Kawasaki

 

Dies war die 25. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

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