Hotels in Japan – Vom „Leichenraum“ ins Strandhotel

Der Ösi in Kawasaki

Unterkünfte verschlingen einen Großteil des Reisebudgets. Deshalb sollten sie auch wesentlich zu eurem Erlebnis beitragen! Erfahrt alles über verrückte Kapselhotels und ob japanische Ryokan ihren stolzen Preis wirklich wert sind. Außerdem verrate ich euch meine Tipps, um die perfekte Unterkunft zu finden.

Dies ist die 23. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

 

Konnichiwa und willkommen zurück. Neues Jahr, neue Folge, neues Reiseglück vielleicht? Ich bin immer noch Alex, euer Ösi in Kawasaki. Gut eingenistet zwischen Tokio und Yokohama seit mittlerweile eineinhalb Jahren. Und in dieser Episode erzähle ich euch von den Besonderheiten japanischer Unterkünfte – und verrate ich euch meine Tipps und Tricks bei der Suche.

 

Keine Touristen in Japan

Hoffentlich früher als später wird Japan ja seine Grenzen wieder für Touristen öffnen. Auch wenn es im Moment überhaupt nicht danach aussieht. Wir befinden uns gerade im zweiten State of Emergency, weil die Infektionszahlen in die Höhe geschossen sind. Aus österreichischer Sicht gilt Japan aber immer noch als eines der sicheren Länder. Unser Notstand ist von den Lockdowns anderer Länder meilenweit entfernt. Eine Maßnahme ist etwa, dass Restaurants aktuell um 20 Uhr schließen müssen. Mein Fitnessstudio ist auch weiterhin geöffnet, nur wurden die Nachtöffnungszeiten gestrichen. Und auch mit Home Office sieht’s in kleineren oder traditionellen Firmen eher schlecht aus.

Wie seid ihr ins neue Jahr gestartet? Habt ihr Pläne oder Wünsche am Horizont, an denen ihr euch voller Vorfreude festklammert? Vielleicht liebäugelt ihr ja sogar mit einem Japan-Besuch, sobald es wieder möglich ist. Nach einem Jahr ohne Horden an Touristen im Land, kann ich mir den Normalzustand ja schon gar nicht mehr vorstellen. Nichtsdestotrotz wird der Tag kommen. Dass es schon zu den olympischen Spielen im Sommer soweit sein wird, bezweifle ich sehr, sehr stark. Ich hoffe, ihr habt keine Tickets …

 

Coronavirus-Impfung in Japan?

Manche von euch haben mich gefragt, ob hier denn schon geimpft wird. Nein. Die Uhren ticken in Japan in vielerlei Hinsicht oft ein bisschen langsamer. Frühestens Ende Februar soll es angeblich soweit sein. Wie die Zeitung The Mainichi berichtet, holen sich einige Konzernchefs und andere Reiche mittlerweile chinesische Impfstoffe auf inoffiziellem Wege.

Wie gesagt, Tourismus im Sommer halte ich für extrem unwahrscheinlich. Und bei den Sommertemperaturen wollt ihr sowieso nicht nach Japan reisen. Aber vielleicht ja dann im Herbst – und weil die Vorfreude ja die schönste Freude sein soll (angeblich), kann euch diese Folge ja vielleicht ein bisschen darauf einstimmen.

 

Ist eine Japan-Reise wirklich so teuer?

Eine Japan-Reise ist jedenfalls sicher kein billiges Unterfangen. Aber muss auch gar kein so unglaublich teures sein, wie man es oft zu hören bekommt. Die Unterkunft verschlingt dabei meist einen Großteil des Budgets, insofern will sie natürlich gut gewählt sein.

Wie ihr wisst, reisen mein Mann und ich leidenschaftlich gerne. Vor ein paar Jahren ging‘s zum allerersten Mal nach Japan. Von da an waren wir völlig fasziniert – und nie im Leben hätten wir uns damals erträumt, eines Tages hier zu wohnen.

Manchmal will man bei der Urlaubsunterkunft in erster Linie sparen und das Geld lieber in Sehenswürdigkeiten oder Essen investieren. Ein anderes Mal will man es sich vielleicht so richtig gut gehen lassen. Japan deckt jedenfalls all diese Bedürfnisse ab. Und ganz wichtig, wie ich finde: eine Unterkunft hier muss nicht einfach nur ein Schlafplatz sein, sondern kann und sollte auch wesentlich zu eurem Japan-Erlebnis beitragen!

Jetzt gibt es zu diesem Thema ja schon hunderte Websites und Blogartikel. Warum erzähle ich euch also auch hier davon?

 

Meine Vorgehensweise bei der Hotelsuche

Ich weiß, man soll sich ja nicht selber loben. Aber ich habe in den letzten Jahren eine richtige Leidenschaft dafür entwickelt unsere Reisenrouten zu planen und insbesondere die Unterkünfte auszuwählen. Ich würde meinen, dass ich mittlerweile ein recht gutes Händchen dafür entwickelt hab. Mein Mann ist mein Zeuge!

Wir gehören zu jener Sorte Touristen, die ihre Reiseroute schon vorab planen – also relativ genau wissen, wann wir an welchem Ort übernachten. Die Suche nach Hotels gehört für mich zur Reisevorfreude dazu. Erst kurzfristig oder gar vor Ort zu buchen würde mich viel zu sehr stressen und mich von der eigentlichen Reise total ablenken.

Klar, jeder ist da anders. Aber gerade für eine Japan-Reise lege ich euch diese Vorgehensweise ans Herz. Vor allem Städte entlang der populären Route Tokyo – Kyoto – Osaka sind sowieso schon recht mit ausländischen Touristen überlaufen. Dazu kommen die vielen japanischen Feiertage, an denen dann eben auch Millionen JapanerInnen selbst unterwegs sind. Das treibt die Übernachtungspreise in ungeheuerliche Höhen. Da kann eine grottenschlecht bewertete, heruntergekommene Absteige plötzlich Luxushotel-Preise verlangen. Je früher ihr also bucht, desto besser eure Chance auf ein gutes Angebot. Die meisten Hotels sind, je nach Anbieter, auch gratis stornierbar bis kurze Zeit vorher. Ihr bleibt also trotzdem flexibel.

Es gibt in Japan verschiedenste Arten von Unterkünften – auch welche, die man so wahrscheinlich davor noch nicht gekannt hat. Ich möchte euch deshalb jetzt ein paar unterschiedliche auflisten, in denen ich auch selbst schon übernachtet habe. Gereiht von spottbillig und bis sauteuer. Am Schluss bekommt ihr noch meine 4 “streng geheimen” Tipps für eine perfekte Unterkunft.

 

1. Guest Houses – Eine günstige Alternative zu Hostels

Wer auf Reisen gerne in Hostels übernachtet, auf gesellige Atmosphäre Wert legt und den Geldbeutel schonen will, der kann nach Guest Houses, also Gästehäusern beziehungsweise Herbergen, Ausschau halten. Ich war mit meinem Mann und zwei Freunden letztes Jahr in einem Guest House im ländlichen Kurort Hakone. Wir haben uns zu viert ein Zimmer geteilt – gekostet hat es pro Person nur sage und schreibe 15 Euro für die eine Nacht!

Das Zimmer war im klassisch japanischen Stil mit Tatami-Boden. Geschlafen haben wir auf eher harten Futons, die wir selbst ausbreiten mussten. Nicht nur die Schiebetüren aus Holz und Papier, sondern auch die hauchdünnen Fensterscheiben zur Straße hin waren extrem hellhörig. Gezogen hat es im Zimmer auch. Für das Übernachten mit Freunden war es sicher passend – wir hatten Spaß und es war gesellig, dafür aber halt nicht sonderlich gemütlich und eben weniger Privatsphäre. 

Es gab auch eine Küche zum Selberkochen, für jene, die unbedingt wollen. Insbesondere in Japan käme ich aber nie auf die Idee während einer Reise selbst zu kochen (abseits vom Frühstück vielleicht). Dafür sind die regionalen Spezialitäten einfach viel zu interessant!

 

2. Kapselhotels – Was ist bitte ein Kapselhotel?!

Stellt euch einen großen, dunklen Raum vor. In den Wänden gibt es zwei Reihen mit großen Ausbuchtungen, in die man hineinklettern kann, quasi Höhlen. Oder wie diese “Leichenräume” im Krankenhaus. Also da, wo beim “Tatort” immer die Leichen rein- und rausgeschoben werden.

Das klingt jetzt erst einmal skurril. Oft greifen auch westliche Medien à la “Galileo” diese ungewöhnliche japanische Erfindung auf. Aber bei näherer Betrachtung ist es dann eigentlich gar nicht mehr so komisch.

Jeder Gast bekommt eine eigene Kapsel zugewiesen. Meist sind die Schlafräume nach Geschlecht getrennt und pro Person eine Kapsel vorgesehen. Viele bekommen ja schon bei der Vorstellung Panik, in einer dunklen, engen Röhre schlafen zu müssen – keine Sorge: diese Kapseln sind überraschend geräumig! Man kann darin aufrecht sitzen, hat eine Lampe und oft sogar einen Touchscreen zur Unterhaltung. Den Eingang kann man mit einem Vorhang schließen oder sogar versperren. Es ist quasi wie ein Schlafsaal im Hostel, nur mit deutlich mehr Privatsphäre – für absolute Hostel-Schlafsaal-Verweigerer wie mich definitiv eine denkbare Alternative.

Wir hatten damals in Osaka ein Kapselhotel für eine Nacht. Nach dem Einchecken mussten wir in der Umkleide all unser Gepäck versperren und unsere eigene Kleidung gegen bequeme Loungewear des Hotels eintauschen. Nicht einmal eigene Toilettenartikel hätten wir gebraucht – von Zahnbürsten über Rasierer bis Styling-Utensilien war alles da und im Preis inbegriffen.

Vor allem für Alleinreisende sind Kapselhotels eine relativ günstige Option. Da man allerdings pro Person bezahlt, teils 50 Euro pro Nacht und aufwärts, wird das für Gruppen schnell unnötig teuer. Eine Übernachtung in der Kapsel ist sicher ein ungewöhnliches und witziges Erlebnis. Es gibt auch einige extrem hippe und stylische Kapselhotels. Manche bieten sogar eine Happy Hour mit gratis Bier!

Ich empfehle die Kapsel allen Hostel-Freunden, die ein kleines bisschen mehr Privatsphäre schätzen. Mir persönlich hat die Erfahrung einmal gereicht – mein Mann und ich verbringen die Nächte doch lieber zusammen und in einem richtigen Zimmer.

 

3. Ferienwohnungen à la Airbnb – Für das authentische Japan-Feeling

Ein ganz anderes und viel authentischeres Erlebnis bieten Ferienwohnungen. Solche müssen in Japan offiziell registriert sein, beispielsweise ist auch Airbnb hier legal verfügbar.

Wir hatten damals in Tokio eine ganze Ferienwohnung für uns – knapp außerhalb von Shibuya, also wirklich sehr zentral in einer Wohnsiedlung gelegen.

Das japanische Adresssystem ist allerdings alles andere als systematisch. Die Wohnung zu finden war daher eine kleine Herausforderung. Anstatt in eine Wohnung bin ich zuallererst ganz selbstbewusst in ein Büro reinspaziert. Ganz brav hatte ich mir davor sogar meine Schuhe ausgezogen! Die Büroangestellten waren etwas irritiert mich zu sehen.

Ferienwohnungen bieten einem die Möglichkeit in einer typischen Wohngegend zu nächtigen – mit allen Vor- und auch Nachteilen, die dazugehören. Man kann zuhause frühstücken oder sich abends gemütlich eine Bentobox aus dem Supermarkt holen. Man ist abseits der Touristenströme, dafür aber vielleicht auch schlechter angebunden.

Wer zu zweit oder als kleine Gruppe unterwegs ist, kann so sicher gute Schnäppchen finden. Aber Achtung: japanische Wohnungen sind tendenziell klein und eng, also solltet ihr schon gute Freunde sein! Hier wird ja außerdem großer Wert auf gute Manieren, Ruhe und Ordnung gelegt. Beachtet, dass viele Wohnhäuser extrem hellhörig sind – aufgeregte Urlauber oder eine Airbnb-Partygruppe machen sich da also keine Freunde.

 

Omotenashi – Die japanische Gastfreundschaft

In privaten Ferienwohnungen muss man sich meist auch um die perfekte (und höchst komplizierte) Mülltrennung kümmern. Und ein Nachteil könnte sein, dass man in einer eigenen Wohnung doch ein bisschen abgeschottet ist und so nicht in den Genuss von „Omotenashi“ kommt. Damit meint man die japanische Gastfreundschaft. Sie ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil der japanischen Gesellschaft und hat nicht nur im Tourismus sondern auch dem Geschäftsleben einen enorm hohen Stellenwert.

 

4. Stadthotels – Anonym, winzig, preiswert

Business Hotels beziehungsweise klassische Stadthotels gibt es wie Sand am Meer. Es ist diese Art von Hotels, wie man sie in jeder Stadt findet, und wie sie – wenn ihr mich fragt – austauschbarer nicht sein könnten. Wir hatten solche etwa in Kyoto, Osaka und auf Hokkaido.

Die Zimmer sind meist echt winzig, das Doppelbett oft nur knapp 1,40 Meter breit. Daneben hat noch ein Reisekoffer Platz, und das war‘s dann auch schon. Der klare Vorteil von solchen Geschäftshotels ist, dass ihre Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel meist perfekt ist. Oft sind sie sehr modern ausgestattet, gleichzeitig aber minimalistisch und anonym – fast schon steril und verhältnismäßig wenig japanisches Flair.

Wenn euch auch die Lage gefällt, bekommt man hier als Paar sicher ein sehr, sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Natürlich gibt es in den Städten auch Luxushotels von internationalen Ketten. Ein Beispiel ist da das Park Hyatt in Shinjuku – vielen bekannt aus dem Kultfilm Lost in Translation. Aber das ist dann auch schon alles, was ich euch über Luxushotels in Japan erzählen kann.

 

Frühstück im Hotel – Oder doch lieber vom Konbini?

In der unteren bis mittleren Preisklasse, in der wir meist nächtigen, gibt es trotzdem recht solides Frühstück. Ob man eine Unterkunft mit oder ohne Frühstück bucht, ist natürlich auch immer die Glaubensfrage. Vor allem im Stadtgebiet ist der nächste Coffeeshop nie weit, und häufiger noch findet man Convenience Stores. Dort gibt es Sandwiches, Onigiri, Bentos, Süßspeisen, Kaffee, und eigentlich sowieso alles, was man im Alltag braucht (außer Obst). Das ist günstig und praktisch, ohne Zweifel.

Ein Frühstücksbuffet im Hotel, auf der anderen Seite, ist nicht nur komfortabel und meist üppig, sondern kann euch auch das traditionelle japanische Frühstück näher bringen. Dieses ist sicher nicht jedermanns Sache. Wir sprechen hier zum Beispiel von Reis mit gegrilltem Lachs, Misosuppe, eingelegtem Gemüse und dem Hassobjekt der Ausländer schlechthin: Natto.

Bei Natto handelt es sich um fermentierte Sojabohnen. Sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck aufgrund ihres beißenden Geruchs und ihrer klebrig-schleimigen Konsistenz. Natto findet sich sogar auf der ein oder anderen Liste der “ekligsten Speisen der Welt” wieder – das finde ich aber übertrieben. Es heißt, man müsse es ein paar Mal essen um es zu mögen. Ich taste mich immer wieder ran, würze es mit der beigelegten Sojasauce und Senf. Geschmacklich erinnert es mich ein bisschen an Käse, alles halb so wild. Probieren solltet ihr Natto auf jeden Fall!

Wie dem auch sei: ein inkludiertes Hotelfrühstück bietet euch die Möglichkeit, einerseits das japanische Frühstück auszuprobieren, und trotzdem auch westliche Gerichte wie Spiegelei und Marmelade-Croissants als Backup zu haben.

Mein Mann und ich frühstücken eigentlich gerne im Hotel. Der Weg vom Bett zum Buffet ist halt schon recht bequem – und anders als im überfüllten Coffeeshop ist hier auch ein Sitzplatz garantiert!

 

5. Ryokan – Die Heimat des „Omotenashi“

Die japanische Pension der Ryokan – ist der Klassiker schlechthin. Hier wird Tradition und Gastfreundschaft gelebt – eben Omotenashi bis zum Abwinken. Ryokan sind oft recht alt oder sehen so aus – verträumt, viel Holz, Tatamimatten als Fußböden. Einfach faszinierend, urig, gemütlich – und eines haben fast alle Ryokan gemeinsam: die schockierend hohen Preise!

Schockierend zumindest auf den ersten Blick. Die durchschnittliche Nacht in einem guten aber eher günstigeren Ryokan kostet zwischen 120 und 200 Euro pro Person. Ich wiederhole: pro Person.

Der Preis wird viele von euch abschrecken – uns bisher meist ebenso. Im direkten Vergleich mit einem Hochglanz-Luxushotel kann man sich schon fragen: warum ist eine Übernachtung in diesem sichtbar in die Jahre gekommenen Haus nur so teuer? Wo ich noch dazu auf einem Futon am Boden schlafen muss?!

Der ganze Stolz eines Ryokan ruht, wie schon gesagt, auf Omotenashi – dem Service und im Besonderen dem Essen. Jetzt hat Hotel-Essen im Westen ja nicht immer den besten Ruf. Gerade Individualurlauber rühmen sich ja gerne damit, immer nur auswärts in den verstecktesten und authentischsten Restaurants zu dinieren. Ein Essen in der Unterkunft? Wie einfältig! Alles schön und gut. Aber bitte vergesst das alles, wenn es um japanische Ryokan geht.

Im Preis ist in der Regel Halbpension inbegriffen. Gegessen wird zu relativ streng festgelegten Speisezeiten, in manchen Ryokan wird das Essen sogar auf dem eigenen Zimmer serviert.

Anfang letzten Jahres waren mein Mann und ich in den Bergen, im verschneiden Nikko nördlich von Tokio. Dank Nachsaison und Rabattgutschein haben wir uns unsere allerersten zwei Nächte in einem Ryokan gegönnt und es wurde tatsächlich zu einem unvergesslichen Erlebnis!

 

Kaiseki – Ein japanisches Mehr-Gänge-Menü als kleines Abenteuer

Sowohl Frühstück und Abendessen waren hier im Kaiseki Stil. Das sind mehrgängige Menüs der gehobenen japanischen Küche. Die Gerichte jedes Ryokan sind dabei einzigartig, regional und auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt. Typischerweise beinhaltet ein solches Menü Gänge aus Suppe, Gekochtem, Gedämpftem, Gegrilltem, Eingelegtem und Frischem wie Sashimi und Obst. In unserem Fall gab es auch bei jeder Mahlzeit einen kleinen Hotpot, sogar zum Frühstück.

Die Menükarte, welche den Ablauf der einzelnen Speisen beschrieb, war dabei in verschnörkelter japanischer Handschrift – wir hatten also nicht die geringste Ahnung, was da auf uns zukommen würde. Auswahlmöglichkeiten gab es ohnehin keine.

Und, ehrlich gesagt, hat auch tatsächlich nicht jedes Gericht meinen Geschmack getroffen. Jenen besonders wählerischen Essern unter euch ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass jeder Gang relativ klein ausfällt. Wer ernährungsbedingte Einschränkungen hat, muss unbedingt vorab klären, inwieweit die Unterkunft darauf eingehen kann oder will. Beim Kaiseki bekommt man jedenfalls Gerichte zu Gesicht und zu Gaumen, die man bis dahin wohl nie mit Japan verbunden hätte und so schnell auch nicht wieder bekommen wird. Die hohe Qualität und Liebe zum Detail merkt man jedem noch so kleinen Gericht an. Dabei läuft das gesamte Dinner aber völlig locker und fern von jeder Eitelkeit ab. Viele Gäste tragen beim Essen einfach ihren Yukata – eine legere Variante des Kimono beziehungsweise ein dünner Bademantel, der von der Unterkunft zur Verfügung gestellt wird.

Vergleichbare Mehr-Gänge-Dinner kosten in der Stadt vermutlich weit über 100 Euro, in einer vermutlich deutlich steiferen Atmosphäre. Da beginnt sich der Übernachtungspreis im Ryokan also zu relativieren.

Einen solchen bucht man auch nicht für eine mehrwöchige Reise, stattdessen gönnt man sich dort vielleicht die ein oder andere Nacht als Highlight. Das ist sicher nichts für jene, die nur eine einfache Unterkunft suchen, weil sie ohnehin die meiste Zeit draußen von der einen Sehenswürdigkeit zur nächsten eilen.

Im Ryokan gehen die Uhren langsamer – hier könnt und solltet ihr entspannen. In unserem Fall waren wir in einem abgelegenen Örtchen, wo wir tagsüber einfach durch die traumhafte Winterlandschaft spaziert sind. Und wenn ich sage „abgelegen“, dann wird auch klar, wie wichtig es gewesen ist, dass wir Abendessen in der Unterkunft gebucht hatten. Im Umkreis gab es nämlich weder Restaurants noch Convenience Stores.

 

Entspannen im Onsen – Mit strengen Regeln

Ein Highlight neben dem Essen war auch immer das Onsen. Nicht nur in Ryokan sondern auch vielen Hotels findet man entweder Onsen, also Nackt-Badebecken mit natürlichem heißen Quellwasser, oder eben öffentliche Badebereiche mit normalem Wasser. Aber genauso nackt.

Wie fest verankert die Badekultur in Japan ist, habe ich euch ja schon einmal erzählt. Vor allem am Land, in den Bergen, gibt es die entzückendsten Fels-umrandeten Onsen im Freien. Da man im mindestens 40 Grad heißen Wasser nur relativ kurz badet, ist es umso komfortabler, wenn man ein solches Onsen in der eigenen Unterkunft hat, und man es einfach mehrmals am Tag und auch spät nachts besuchen kann.

Das Bequeme an Onsen: man muss nichts mitbringen. Handtücher gibt es zum Ausleihen, Baden tut man nackt. Man kann kommen, wie man ist – vorausgesetzt man hat keine Tattoos! In ungefähr sieben von zehn Onsen-Betrieben ist Menschen mit Tätowierungen der Eintritt nämlich untersagt oder nur mit Überklebung erlaubt (dafür gibt es eigene Aufkleber in verschiedenen Hauttönen). Das macht die Sache jedenfalls schon deutlich umständlicher. 

Klärt das unbedingt vor der Ryokan-Buchung beziehungsweise bevor ihr Eintritt in ein Onsen zahlt. Sich vor Ort aufzuregen bringt im regeltreuen Japan leider gar nichts, und zeigt nur, dass man die strenge Onsen-Etiquette nicht kennt. Tattoos werden weiterhin mit der organisierten Kriminalität, der Yakuza, verbunden – diese will man im öffentlichen Leben nicht sehen. Es gibt die Hoffnung, dass sich das Tattoo-Thema bis zu den olympischen Spielen etwas lockert, ich habe da aber meine Zweifel.

Wer Tattoos hat, oder gar mit dem Partner/der Partnerin des anderen Geschlechts gemeinsam baden möchte, muss entweder auf teurere Zimmer mit privatem Badebecken ausweichen, manchmal bieten Ryokan aber auch Onsenbecken zur stundenweisen Privatmiete.

 

Baden im Onsen trotz Tattoos und mit dem anderen Geschlecht!?

Ganz anderes haben wir dann aber zu Weihnachten erlebt. Da waren wir im verträumten und wirklich rustikalen Onsen-Örtchen Nyuto Onsen, nördlich gelegen in der Präfektur Akita. Dort gibt es sieben Ryokan mit eigenen Onsen, die man mit einem speziellen Bade-Pass besuchen darf. Dort sind nicht nur Tattoos erlaubt, es gibt sogar – haltet euch fest! – gemischtgeschlechtliche Nacktbadebecken! Anders als in Deutschland und Österreich, wo gemischte FKK-Bäder und Saunen ja absolut üblich sind, ist das in Japan nicht der Fall. Früher war das anscheinend noch anders. Heute sind die Japaner und Japanerinnen da aber besonders scheu. In Nyuto Onsen gibt es unter anderem ein ganz trübes Badebecken. Die Frauen haben einen verstecken Seiteneingang, wo sie unbemerkt ins milchig-weiße Wasserbecken sinken und dann in den gemischten Bereich robben können.

Wir sind jedenfalls begeisterte Onsen-Fans. Als zwei Männer haben wir halt den Vorteil, sowieso immer gemeinsam planschen zu können – und das nicht nur im Winter, wenn von oben die Schneeflocken ins heiße Wasser fallen. Wir hatten schon ganze Reisen, auf denen wir kein einziges Mal die Dusche auf unserem Zimmer verwendet haben, weil wir stattdessen lieber den öffentlichen Badebereich genutzt haben. Eine Wettersicherheit gibt es ja außerdem auch nie, insbesondere in Japan mit seiner Regenzeit und den gelegentlichen Taifuns. Zumindest für uns ist ein Onsen-Besuch also immer auch ein perfektes Schlechtwetterprogramm. Sehr entspannend!

 

6. Ungewöhnliche Unterkünfte in Japan – Vom Yurt bis ins Resorthotel am Strand

Selbstverständlich gibt es auch abseits der bisher genannten Unterkunftsarten noch viele weitere. Camping am See ist in Japan beispielsweise genauso gut möglich wie Übernachten in der rustikalen Holzhütte in den Bergen. Oder im Yurt – einem übergroßen Zelt, wie wir es auf der idyllischen Hopi Hills Farm in Hokkaido gemacht haben.

Letzten Herbst waren wir im Resort-Hotel Fusaki Beach, direkt am Strand. Drei Flugstunden südwestlich der Hauptinsel, direkt neben Taiwan, liegt die kleine Tropeninsel Ishigaki. Wie schon erwähnt gibt es aktuell eine Reisekampagne der japanischen Regierung, um den Inlandstourismus wieder anzukurbeln. Im Zuge dessen wurde uns die Hälfte der Hotelkosten bezahlt – wer kann da schon Nein sagen?! 

Unsere Wahl fiel, wie gesagt, auf ein topmodernes Resort-Hotel. Die Anlage war extrem weitläufig mit riesigem Pool direkt neben dem Strand, einem blühendem Tropengarten und mehreren Restaurants. Hier hatten wir das bisher beste Hotelfrühstück in ganz Japan – von Serrano-Schinken und French Toast, über Smoothies und Blauschimmelkäse bis frische Tropenfrüchte. Und natürlich Natto!

Wer meine Hokkaido-Folge gehört hat, weiß außerdem, wie sehr ich Liegestühle in Japan vermisse – hier auf Ishigaki gab es sie tatsächlich zahlreich. Solche Strandhotels sind aber, das möchte ich auch anmerken, alles andere als typisch japanisch. Sie wirken vielmehr westlich inspiriert, gerade die große Liebe zu Hawaii wird hier spürbar. Und ich kann mich darüber absolut nicht beschweren.

 

Raucherzimmer und “japanische” Zimmer?!

Was euch bei einer Hotelbuchung vielleicht überraschen wird: viele Hotels in Japan bieten sowohl Nichtraucher als auch dezidierte Raucherzimmer an. Falls euch das stören würde, bitte genau darauf achten.

Außerdem stehen in vielen Unterkünften sowohl “japanische” als auch “westliche” Zimmer zur Auswahl. Die japanischen sind mit Tatami ausgelegt – das sind herrlich duftende Matten aus Reisstroh, worauf nachts die Futons ausgebreitet werden. Meist gibt es in diesen Zimmern auch noch einen niedrigen Tisch, wo man sich entweder eine Tasse Grüntee oder gleich das ganze Abendessen gönnen kann.

Im Gegensatz dazu sind die westlichen Zimmer so, wie man sie sich vorstellt: mit ganz gewöhnlichen Betten. Mein Mann und ich sind nicht wählerisch. Anfangs fanden wir Futons recht interessant und exotisch, aber mittlerweile tendieren wir doch wieder zu Betten. Futons sind mir nämlich meist zu hart und dem Boden halt schon verdammt nah. Außerdem werden die Futons, während man beim Frühstück ist, vom Personal weggeräumt – wir lieben aber unsere Powernaps am Nachmittag!

 

Vier Tipps für die beste Unterkunft auf eurer Japan-Reise

Zum Schluss möchte ich euch jetzt noch meine vier Tipps zusammenfassen, um eine grandiose Unterkunft zu finden.

 

1. Früh und unverbindlich buchen

Ich kenne einige Leute, die einfach die erstbeste Unterkunft buchen, nur weil sie billig ist oder sie keine Zeit aufwenden wollen. Und die sich dann aber hinterher beklagen, in einer schäbigen Absteige am anderen Ende der Stadt gelandet zu sein. Für mich gehört die ausgiebige und frühzeitige Suche nach Unterkünften zur Vorfreude dazu – da bin ich, zugegeben, fast schon ein bisschen zu leidenschaftlich unterwegs. Stichwort frühzeitig: der Großteil der Unterkünfte hier bietet die kostenlose Stornomöglichkeit bis wenige Tage vor Reiseantritt an. Macht davon Gebrauch! Bucht früh, damit ihr zumindest einmal eine Unterkunft habt, und schaut später, ob es nicht vielleicht noch ein besseres Angebot gibt. Vielleicht findet ihr sogar Rabattcodes – solche gibt es zum Beispiel auf Japanican (keine gesponsorte Nennung).

 

2. Auf die Lage achten

Ein bisschen Recherche schadet nie, damit ihr eine Unterkunft in halbwegs guter Lage und zu einem guten Preis findet. Ja, gerade im Großraum Tokio ist das Öffi-Netz zwar extrem eng, aber es gibt kaum Flatrates für die meisten Fortbewegungsmittel. Auch ich zahle jede Fahrt separat! Noch dazu sind auch die Distanzen innerhalb Tokios oft schon weit und nicht zu unterschätzen; die Züge gestopft voll. In der Nähe von Expresszug-Stationen zu wohnen, spart euch viel Zeit. Bei Unterkünften am Land ist es außerdem wichtig zu prüfen, ob es in der Umgebung überhaupt irgendwelche Verpflegungsmöglichkeiten gibt, oder ob ihr lieber eine Unterkunft mit inkludiertem Essen wählt.

 

3. Bewertungen nicht ignorieren

Worauf ich auch sehr achte sind Hotelbewertungen. Natürlich können Bewertungen vereinzelt auch irreführend oder gar gefälscht sein, ich schaue mir aber kaum individuelle Bewertungen an, sondern achte eher auf die Menge und den Durchschnitt über mehrere Plattformen hinweg. Da bin ich relativ streng – natürlich auch abhängig von der Gesamtzahl der Bewertungen. Und bisher hat sich diese Tendenz eigentlich immer bestätigt.

 

4. Unterkunftsarten variieren und nicht am falschen Fleck sparen

Wie schon gesagt, kann und sollte die Unterkunft wesentlich zu eurem Japan-Erlebnis beitragen. Für Eintritte zu Sehenswürdigkeiten, Museen etc. würdet ihr ja auch Geld zahlen.

Vielleicht muss es also nicht immer ein steriles Stadthotel sein, in welchem man nur schläft, sondern vielleicht kann euch die Unterkunft auch die traditionelle Kulinarik und Gastfreundschaft, die japanische Onsen-Kultur oder – im Fall eines Ferienwohnung – den japanischen Alltag näherbringen. Ja, vor allem die traditionellen Ryokan sind auf den ersten Blick erschreckend teuer. Da könnte es sich lohnen, die Unterkunftsarten zu variieren, also nach ein paar günstigen Übernachtungen sich eben ein oder zwei unvergessliche Nächte im Ryokan zu gönnen.

Ich bin am Ende dieser Folge angelangt. Ich hoffe, es war was Interessantes und Neues für euch dabei. Vielleicht liebäugelt ihr ja schon mit einer Japanreise. Allzu lange wird es ja hoffentlich nicht mehr dauern. Ich wünsche euch dafür schon einmal viel Vorfreude!

Euer Ösi in Kawasaki

 

Dies war die 23. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

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