Super-Klos in Japan – Verwöhnprogramm für alle Sinne

Der Ösi in Kawasaki

Super-Klos in Japan – Verwöhnprogramm für alle Sinne

„Es ist zwar nur ein Hintern, aber auch er will gewaschen werden.“ In dieser Folge erfährt ihr alles, was ihr vielleicht nie über japanische Toiletten wissen wolltet. Und, was abseits von Hightech-Klos derzeit sonst noch für Erleichterung sorgt.

Dies ist die 14. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

Traditionelle japanische Toiletten sind ja so modern. Sie sind so futuristisch, dass sie ganz ohne Schüssel und Brille auskommen. Man hockt sich über ein Loch im Boden, und verrichtet einfach sein Geschäft. … Was? Ihr habt euch japanische Klos anders vorgestellt?!

“Es ist zwar ein Hintern – aber auch er möchte gewaschen werden.” 

In der heutigen Folge erfahrt ihr alles, was ihr vielleicht nie über japanische Toiletten wissen wolltet. Japan gilt als eins der hygienischsten Länder der Welt – von weltberühmten Toiletten über Gesichtsmasken im Alltag, bis hin zu allerstrengsten Vorschriften in öffentlichen Bädern. 

Alleine bei den Toiletten gibt’s unzählige Eigenheiten, die sowohl Touristen als auch uns hier tagtäglich begegnen. Von wahren Verwöhnprogrammen bis hin zu kleinen Herausforderungen. Herausforderungen wie zum Beispiel, den Spülknopf in öffentlichen Toiletten nicht zu finden. 

In der heutigen Folge dreht sich alles um das Lieblings-Japan-Thema der Leute: Klos. Am Schluss werde ich auch noch ein bisschen von der aktuellen Lage berichten. Denn auch abseits von Super-Klos gibt’s momentan allen Grund für Erleichterung.

 

High-Tech-Toiletten sogar in U-Bahn-Stationen

Wenn Ausländer an Japan denken, kommen ihnen schnell einmal die High-Tech-Toiletten mit ihren unzähligen Knöpfchenen und Funktionen in den Sinn. Das sind die sogenannten Washlets. Auch wir haben, wie die meisten Japaner:innen mittlerweile, ein solches zuhause!

Diese Washlets haben typischerweise eine beheizte Klobrille und eine Bidetfunktion zum Abwaschen. Man kann auch die Intensität und Temperatur des Wasserstrahls regulieren. Je fancier das Modell, gibt es sogar welche mit Fön-Gebläse. Aber das dauert halt ewig, wenn ihr mich fragt. 

Unser Klo erkennt, wenn man aufsteht und es spült dann von ganz allein. Das ist ziemlich cool und komfortabel. Allerdings gewöhnt man sich sehr schnell daran. Eines Tages – das ist vermutlich unausweichlich – werden wir einmal irgendwo zu Gast sein, und dann werde ich aus reiner Gewohnheit darauf vergessen die Spülung zu betätigen. Es ist mir jetzt schon unangenehm und ich entschuldige mich schon einmal im Voraus.

Was Japan an öffentlichen Mistkübeln fehlt – die findet man nämlich fast nirgends – macht es übrigens in Form von kostenlosen und oft extrem gepflegten Toiletten wett.

Was mir aufgefallen ist: sogar oder insbesondere die Toiletten in U-Bahn-Stationen sind sehr gepflegt. Da muss ich aber hinzufügen, dass sie eigentlich nicht ganz gratis sind. Sie befinden sich nämlich hinter den Schranken, für die man eine gültige Fahrkarte benötigt. Was ich selbst lange nicht gewusst habe ist: auch in den meisten Konbinis, also den Convenience Stores, gibt es kostenlose Toiletten. Das ist extrem praktisch, wenn man unterwegs ist. Konbinis gibt es in Japan ja wie Sand am Meer.

Und auch dort finden sich normalerweise diese für uns Europäer so ungewohnten Washlets. Oft – und noch häufiger auf Damentoiletten – sogar mit einem Knopf, über den dann Musik oder Spülgeräusche abgespielt werden. Angeblich hatten vorwiegend Frauen aus Scham vor ihren Geräuschen permanent die Spülung betätigt und damit viel Wasser verschwendet. Ein Toilettenhersteller hat daraufhin eine Tonanlage für mehr Privatsphäre eingeführt – und sie otohime (“Ton-Prinzessin”) genannt. Wie das Ganze klingt, hört ihr im Podcast.

 

Die Geschichte der japanischen Washlets

Ich habe mich gefragt, warum diese High-Tech-Toiletten in Japan überhaupt so verbreitet sind. In Österreich, zum Vergleich, kenne ich nur eine einzige Familie, die sich um teures Geld eine solche angeschafft hat. Die Antwort ist übrigens nicht etwa deshalb, weil Japan ein so vermeintlich hochtechnologisches, modernes Land ist. In erschreckend vielen Bereichen gilt nämlich komplett das Gegenteil.

Wie eingangs schon erwähnt: traditionellerweise hatte man in Japan die sogenannten Hocktoiletten. Wikipedia zufolge nennt man diese auch „asiatische Toiletten“ – ich habe solche aber auch schon vereinzelt in Italien gesehen. Es ist umso befremdlicher, wenn man in Japan die komfortablen Washlets gewöhnt ist – und sich dann plötzlich auf einer solchen Hocktoilette wiederfindet. Es gibt sie nämlich immer noch – zum Beispiel auf manchen alten Bahnhöfen oder in ländlichen Gegenden.

Die Idee für westliche Sitz-Toiletten mit High-Tech-Funktionen kam übrigens nicht aus Japan, sondern unterschiedlichen Quellen zufolge entweder aus der Schweiz oder den USA. Dank der starken Neigung zu Reinlichkeit – die sich ja nicht zuletzt auch in der tief verankerten Badekultur widerspiegelt – schien Japan wie der perfekte Markt für solche Super-Klos.

Das Marketing zielte ebenfalls darauf ab: “Waschen statt Wischen”, lautete die Devise. Man putze sich ja auch die Zähne und wasche seinen Körper. Auf YouTube findet man einen Werbespot aus den 80ern mit einer berühmten japanischen Schauspielerin. Ihre Botschaft an das Volk lautet: „Es ist zwar ein Hintern, aber auch er möchte gewaschen werden!“

 In der Folge „Frieren in Japan“ habe ich euch ja erzählt, wie kalt es in japanischen Wohnungen im Winter oft wird. Auch heute gibt es hier kaum Zentralheizungen. Man heizt stattdessen nur punktuell. Die Gebäude sind minimal isoliert – die Wärme verflüchtigt sich also sofort wieder. Es kann also gut sein, dass die Temperatur in der Wohnung im Winter nachts auf unter 10 Grad (!) fällt. In Anbetracht dessen klingt ein beheizter Toilettensitz für mich fast schon mehr nach Notwendigkeit als nach hochtechnologischem Luxus…

 

Die schweißtreibende Suche nach dem Spülknopf

Mein Tipp, falls ihr vorhabt nach Japan zu reisen: macht euch im Hotel oder im Internet mit den wichtigsten Funktionen und Schriftzeichen der Toiletten vertraut. Auch mir ist es früher immer wieder passiert, dass ich nach dem Knopf zum Spülen suchen musste. Warum auch immer, ist es nämlich oft genau nicht der größte und prominenteste Knopf…

 Die Wasch- beziehungsweise Duschfunktion der Toiletten ist anfangs sicher ungewohnt, aber auch … sehr angenehm. Probiert sie unbedingt aus! Noch dazu, weil das meiste Klopapier hier einfach nichts taugt. Es ist hauchdünn und löst sich beim ersten Tropfen Wasser sofort in 1000 Wuckerl auf. Ähnlich verhält es sich übrigens mit Taschentüchern.

 

Der Boden ist Lava: die Toiletten-Pantoffel

Ein weiterer Tipp von mir – oder eigentlich ein must: nicht selten werdet ihr in privaten Toiletten oder im Hotel Pantoffel vorfinden. Während Innenräume von Wohnungen als rein gelten, gelten Außenräume aber auch die Toilette als schmutzig. In Wohnungen, aber auch in Spa-Hotels, Bädern oder Massagesalons ist der Eingangsbereich, der sogenannte Genkan typischerweise farblich oder höhenmäßig abgegrenzt. Dort werden die Straßenschuhe ohne Widerrede ausgezogen. Man steigt dann nur mit Socken oder Hausschuhen in die “safe zone”. Es wäre verpönt, barfuß oder mit Socken den bösen, dreckigen Genkan zu betreten. Denkt euch: Der Boden ist Lava!

Anders als zum Beispiel in den USA, zieht man ja auch in Österreich beim Betreten einer Wohnung die Straßenschuhe aus. Aber in Japan ist das schon besonders streng. Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass viele Fußböden traditionellerweise aus Tatami-Matten bestanden oder immer noch bestehen. Das sind Matten aus Reisstroh. Schön und heimelig, aber außerordentlich empfindlich.

Achtung! Auch in Umkleiden von Bekleidungsgeschäften muss man die Schuhe vor der Kabine meist ausziehen.

Zieht also unbedingt auch die Klo-Pantoffel an, falls es welche gibt. Damit ihr die reinen Bereiche nicht mit den schmutzigen vermischt. Und vergesst dann hinterher auf keinen Fall sie auch wieder auszuziehen. Angeblich gelten Klo-Pantoffel in Japan ungefähr als die schmutzigsten Objekte im Universum! Wenn ich welche im Hotel oder Ryokan sehe, finde ich sie meist auch wahnsinnig grauslig… Sie sind oft schon ein bisschen abgetragen, und bestehen aus einer Art Kunstleder oder Plastik, das sich auf der nackten Haut kühl und klebrig anfühlt… Und wer weiß, wer die schon aller getragen hat. Naja. Zuhause besitzen wir jedenfalls keine.

Mit einem Blick auf die Zeit muss ich sagen: ich will das Thema jetzt auch nicht überstrapazieren. Kommt doch mal nach Japan und probiert die sagenumwobenen Toiletten einfach selbst aus. Bitte keine Scheu!

 

Aufhebung des nationalen Notstands

Für Erleichterung sorgen nicht nur die Super-Klos, sondern auch die Aufhebung des Notstands vor kurzem. Die Zahl der Corona-Infektionen ist stark zurückgegangen und mittlerweile haben alle Geschäfte wieder normal geöffnet.

Mein Mann war jetzt zwei Monate lang im Home Office und ich hatte meine Arbeit vorübergehend überhaupt auf ein Drittel reduziert. Wir waren also die meiste Zeit zu Hause. 

Natürlich geht man sich da schon auch einmal auf die Nerven. Ich war selbst oft einfach unmotiviert und antriebslos. Ich habe zwar sehr viel und regelmäßig gekocht… aber manchmal war ich damit auch ein bisschen überfordert und hab mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt, um ehrlich zu sein. 

Die Stimmung getrübt hat natürlich auch die Tatsache, dass wir unseren ersten Heimatbesuch in über 10 Monaten stornieren mussten. Auch weiterhin können wir Japan nicht verlassen, da wir sonst nicht wieder einreisen dürften. Ich hoffe, dass wir so bald wie möglich fliegen können.

Wir waren schon ab und zu auch draußen in Restaurants essen – ein Großteil hatte eh geöffnet. Außerdem haben wir uns jetzt schon ein paar Mal Fahrräder ausgeliehen und damit die nähere Umgebung erkundet. 

In den letzten Wochen habe ich auch fleißig neue Ideen für diesen Podcast gesammelt. Nur was das Aufnehmen betrifft, war ich ein bisschen faul … Kreativ war oder bin ich trotzdem. Und zwar, mache ich momentan wieder verstärkt Musik. Gerade erst habe ich meinen neuen Song „Marionette“ veröffentlicht. Ihr findet ihn unter meinem Musiker-Namen Al Axy bei allen gängigen Streaming-Diensten. Hört doch mal rein, ich würde mich freuen.

Danke fürs Zuhören und beste Darmgesundheit, mata ne,
euer Ösi in Kawasaki.

 

Dies war die 14. Folge meines Podcasts „Der Ösi in Kawasaki“ als Blogartikel zum Nachlesen. Anhören könnt ihr sie übrigens direkt hier, sowie auf Spotify und Apple.

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